B O R O V I K - K R O A T I E N / April 2004
Hi
Carphunter,
unsere erste Session dieses Jahr liegt nun leider hinter uns.
Wir (Jörg und ich, Sven) waren vom 18.04. - 26.04.2004 in Kroatien,
am bis jetzt noch recht unbekannten Borovik Stausee, in der Nähe von
Osijek.
Der ca. 160 ha grosse See, liegt in einem traumhaft ruhigen
Talgebiet umgeben von Mischwald.

Nach 1400km langer Anreise, wurden wir abends gegen 20 Uhr sehr
herzlich von den kroatischen Vereinsmitgliedern in deren gerade neu
fertig gestelltem Vereinsheim in Empfang genommen. Solch ein
herzliches Willkommen hatten wir nicht erwartet.
Dies war nur durch eine organisatorisch perfekt geplante Leistung von Jürgen Becker (Becker-Fishing-Tackle) möglich.
Über diesen bekommt Ihr auch die Möglichkeit am Borovik zu fischen. Preise und genaue Informationen auf seiner Page. Den Link zu seiner Seite findet Ihr ebenfalls bei uns (|Links|).
An dieser Stelle noch einmal ein DICKES Dankeschön für alles, Jürgen!
Am
nächsten Morgen sollte es nun endlich an unsere Plätze gehen.
Leider regnete es schon am Vortag in Kroatien, wie ich es lange
nicht mehr gesehen hatte. Eine Nachfrage bei den Kollegen vor Ort,
ergab eine erste traurige und nichts gut heissende Botschaft. Seit
ungefähr 10 Tagen hatte es Dauerregen gegeben und das Wasser im
Borovik stand 1,50m über Normal. Somit waren fast 70% aller
angelegten Angelplätze nicht begeh- und befischbar.
Aber man gibt ja nicht so schnell auf und freut sich trotzdem auf
das was noch kommen sollte.
Zuerst fuhren 2 Engländer und deren Freundin mit 2 Booten voll bis
an den Rand mit Tackle beladen los. Als der "Fährmann" nach 3
Stunden immer noch nicht wieder bei uns war, machten wir uns echte
Sorgen.
Diese waren auch nicht unberechtigt. Jürgen Becker informierte uns,
dass die Engländer fast mit beiden Booten gekentert wären. Die
Freundin stieg während der Fahrt auf und wollte von dem vorderen
Bootsteil irgendetwas aus einer Tasche holen. Da das Boot im
vorderen Bereich total überladen war, kippte dieses und lief voll
Wasser. Ein angekettetes 2. Boot, ebenfalls voll mit Tackle beladen,
war die Rettung der Drei. Diese sprangen wie Käfer auf das 2. Boot
und hatten riesiges Glück, dass dieses nicht kippte. Das alles
mitten auf dem See, in ungefähr 11m Wassertiefe. Zum Glück verlief
diese Aktion ohne Schäden, ausser dass einige Taschen natürlich voll
Wasser waren. Der Motortank lief ebenfalls voll mit Wasser und
musste erst einmal gereinigt werden.
Nach
6 Stunden Wartezeit waren wir dann endlich an der Reihe und froh,
dass es für die Kollegen nicht schlimmer gekommen war. Natürlich
beluden wir die 2 Boote jetzt gleichmässiger. Aus Erfahrung wird man
ja bekanntlich schlauer.
Das aufbauen der "Wohn- und Jagdanlage" ging wie gewohnt schnell von
der Hand. Nachdem alles eingerichtet war, konnte man erst bemerken,
in welcher Naturkulisse es uns verschollen hatte. Dieser riesige See
mitten in diesem Waldtal, einfach herrlich. Vor allem die
Geräuschkulisse war beeindruckend. Nichts von Autos oder Fabriklärm
zu hören. So sollte es auch die nächsten Tage bleiben. Einzig das
Flugzeug, welches täglich gegen 21 Uhr über uns weg zog, muss
unbedingt noch abgestellt werden. :-)
Jetzt kommt leider ein trauriges Kapitel.
Die ersten 4 Tage keinen Run oder sonstige Fischaktivitäten bei uns.
Das mittlerweile recht gute Wetter, zwang den See täglich 10-15cm
Wasser abzugeben. Dieser schnelle Pegelabfall ist meiner Meinung
nach der Grund, warum nichts ging.
In der Tagessonne sah man kleine und auch riesige Schatten dicht
unter der Wasseroberfläche verweilen. Die Karpfen sonnten sich und
liessen sich mit einer Geschwindigkeit treiben, dass man einschlafen
konnte. 1m in ca. 15 Minuten. Wenn das nicht ein neuer Carprecord
ist...
Mittlerweile
mussten wir auch die kleinen Tücken des Boroviks feststellen.
Wurzeln und sehr viel Geäst machten es uns nicht immer leicht. Die
ein oder andere Montage musste dran glauben, bevor man eine freie
Stelle gefunden hatte und wusste wie man dem Untergrund trotzen
konnte. Der Stausee wurde vor über 20 Jahren durch die Flutung einer
Waldschneise angelegt. Die Bäume wurden einfach stehen gelassen.
Somit ist auch ca. die Hälfte des Sees nicht befischbar. Aber gerade
dieses macht den Borovik so einzigartig. Solch ein reichhaltiges
Nahrungsangebot gibt es sonst kaum an einem Gewässer dieser Grösse.
Dadurch natürlich auch Hotspots, soweit das Auge reicht.
Da die englischen Kollegen bereits nach 3 Tagen aus persönlichen
Gründen weiter nach Frankreich gefahren sind und Ihr Platz
wenigstens einige Runs und einen 16 Pfünder hervorbrachten,
entschlossen wir uns auf diesen zu wechseln.
Auch hier leider nicht direkt die gewünschten Bisse. Nachts ging
überhaupt nichts und Tagsüber ein kleines Pieps.
Unsere Zeit lief uns davon, da wir nur eine Woche gebucht hatten.
Endlich am 6. Tag, nach ca. 90cm Pegelfall und 2 Tage volle Sonne...
BISSE!!! Wir angelten ungefähr 2m vor aus dem Wasser herausragenden Bäumen in
40m Entfernung. Jedoch waren die Fische jedesmal sofort bedacht,
nach der Köderaufnahme in diese rein zu schwimmen. 4 Abrisse waren
die traurige Folge. Also musste die Taktik geändert werden. Ruten
fast senkrecht und Freilauf fast raus. Ich glaube ein 50 Pfünder
hätte unsere Pods und die Ruten in die Tiefe gerissen, aber
irgendwie musste man ja was ändern.
Dann
kam das unglaubliche. Ein Biss, ein Drill, ein Fisch. Warum
unglaublich? Deshalb fährt man doch los, sagt Ihr Euch jetzt
sicherlich. Klaro, aber dieser Fisch war kein gewöhnlicher Spiegler
oder Schuppmann. Ein wunderschöner Silberkarpfen hatte sich wie auch
immer an meine Rute verirrt. Dieser Planktonfresser gilt als
unfangbar oder wird meistens beim Blinkern gehakt.
Egal wie, aber er lag zuerst im Kescher und dann auf der Matte. Die
Waage zeigte glatte 29 Pfund. Diesen Fisch werde ich bestimmt
niemals vergessen und ebenfalls nie wieder fangen.

Jörg ging mit einer Rute volles Risiko und fischte fast auf den
rausragenden Baumgipfeln. Aber genau diese Rute brachte Ihm auch den
leider einzigen Spiegler mit 10 Pfund. Weitere Runs gingen zugunsten
der Carps aus. Einmal wieder in den Bäumen, dann wieder ein von den
Muscheln gekapptes Vorfach. Aber die Fische hatten unsere Köder
akzeptiert und es fing an richtig Spass zu machen.

In der letzten Nacht vor unserer Heimreise, welche 9 Uhr morgens
stattfinden sollte, kamen dann plötzlich auch die Bisse in der
Nacht. 23:30 der erste Abriss wieder einmal in den Bäumen. Ich
dachte mir, leg die Rute einfach auf's Pod und lass es mit 2 Ruten
die letzten Stunden locker angehen. Viel kann eh nicht mehr kommen.
FALSCH! Gegen 4:00 Uhr der nächste Run. Wieder raus aus dem Zelt und
.... weg. Mist! Erneut geweckt rauchte ich mir in der stockfinsteren
Nacht erst einmal eine Zigarette und holte dann doch noch einmal die
Tacklebox heraus um die 3. Rute erneut zu montieren. Eigentlich für
noch restliche 5 Stunden der totale Quatsch. Aber die Mühe sollte
belohnt werden. 6 Uhr zum vereinbarten Frühstück (Jörg war wieder
der Erste) kroch ich todmüde aus meinem Zelt und zog gerade den
Reisverschluss zu, als mein Bissanzeiger erneut losrannte. Ich
dachte natürlich zuerst an einen schlechten Scherz von meinem
Kollegen, wie es schon mal üblich ist. Ein Blick in Richtung Rod-Pod
aber signalisierte mir das Gegenteil. Sollte es solch einen Zufall
geben? Anschlag und ... frei! Endlich noch ein richtig guter Drill
im Freiwasser. Ein schöner 24 Pfund Spiegelkarpfen lag zum Abschluss
kurz vor der Heimreise doch noch auf der Matte. Kurze Fotosession
und schnell zurück in den See, bevor der Kaffee kalt wird. Somit
hatte sich die nächtliche Aktion doch noch ausgezahlt, denn der
Fisch wurde genau auf dieser Rute gefangen. Die Rute mit dem "alten"
Boilie wieder ins Wasser und dann machten wir uns ans abbauen. Gegen
8 Uhr hatte ich fast alles gepackt. Plötzlich ging erneut diese Rute
los. Jedoch ging ich zu hart (vor Angst wegen den Bäumen) vor und
der Fisch schlitzte aus.
Das muss man sich vorstellen. Fast eine Woche nichts und dann das.
Wir mussten nach Hause fahren und die Fische gingen jetzt im 2
Stunden Takt. Mit einer Träne in den Augen verliessen wir den Borovik und wissen
genau: Hier hin kommen wir auf jeden Fall noch mehr als einmal zurück und dann länger als nur eine Woche. Die gewonnenen
Erfahrungen bleiben uns, auch wenn es noch nicht mit den ganz
Grossen geklappt hat. Hoffen wir, das auch die uns gezeigte Natur so
erhalten bleibt und andere Carphunter dies erleben dürfen. Ein
schwieriges Gewässer mit riesigem Potenzial welches erobert werden
möchte. Anfragen und weitere Informationen bezüglich dem Gewässer findet Ihr HIER.
In diesem Sinne,
Big Carps und eine saubere Umwelt.
Jörg und Sven |